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<title>Der Ekel</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Der Ekel</span></h1>
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<p><b>Der Ekel</b> (<a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">französisch</a> <i>La nausée</i>, siehe auch, medizinisch: <a href="%C3%9Cbelkeit" title="Übelkeit">Nausea</a>) ist ein Roman von <a href="Jean-Paul_Sartre" title="Jean-Paul Sartre">Jean-Paul Sartre</a>. Er erschien im Jahr 1938 und gilt als Hauptroman des <a href="Existentialismus" title="Existentialismus">Existentialismus</a>.
</p><p>Den ursprünglich von Sartre geplanten Titel <i><a href="Melencolia_I" title="Melencolia I">Melancholia</a></i> (nach <a href="Albrecht_D%C3%BCrer" title="Albrecht Dürer">Albrecht Dürers</a> Kupferstich) lehnte sein Verleger <a href="Gallimard" class="mw-redirect" title="Gallimard">Gallimard</a> ab und schlug seinerseits den aktuellen Titel vor.
</p><p>Das Magazin <a href="Der_Spiegel" title="Der Spiegel">Der Spiegel</a> zählt den Roman zu den besten 100 zwischen 1925 und 2025.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Inhalt">Inhalt</h2></div>

<p>In seinem ersten Roman, an dem Sartre fünf Jahre arbeitete, sind bereits viele Themen enthalten, die in seinen späteren philosophischen Werken klarer werden. Das Buch ist eine Ansammlung von Tagebucheinträgen des Ich-Erzählers Roquentin, der versucht, sich über den Ekel klar zu werden, der ihn seit einiger Zeit beschleicht.
</p><p>Gewidmet ist der Roman <a href="Simone_de_Beauvoir" title="Simone de Beauvoir">Simone de Beauvoir</a> alias Castor. Vorangestellt ist ein Zitat aus einem Theaterstück von <a href="Louis-Ferdinand_C%C3%A9line" title="Louis-Ferdinand Céline">Louis Ferdinand Céline</a> (in der Übersetzung von Heinrich Wallfisch):
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote lang="fr" style="margin:0;">
<p>«&nbsp;C’est un garçon sans importance collective, c’est tout juste un individu.&nbsp;»
</p>
</blockquote>
<blockquote style="margin:.5em 0 0 0;" lang="de-Latn">
<p>„Dieser Kerl hat keinen Wert für die Gesellschaft, er ist einfach nur ein Individuum.“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</blockquote></div></div>
<p>Antoine Roquentin ist ein Historiker, der in einer großen Hafenstadt namens Bouville (<i>la boue</i> = „der Schlamm“, also „Schlammstadt“, Anklang an <a href="Deauville" title="Deauville">Deauville</a>. Sartre lebte zur Zeit der Abfassung in <a href="Le_Havre" title="Le Havre">Le Havre</a>) lebt und dort ein historisches Buch über den Diplomaten Marquis de Rollebon schreibt, worin er zurzeit die einzige Rechtfertigung für seine <a href="Existenz" title="Existenz">Existenz</a> sieht. Dieser Ekel, den er eher in den Dingen selbst spürt, verlässt ihn nur beim Anhören der Jazzplatte „<a href="Some_of_These_Days" title="Some of These Days">Some of These Days</a>“ von <a href="Sophie_Tucker" title="Sophie Tucker">Sophie Tucker</a>. Die Ursache des Ekels ist die Sinnlosigkeit und <a href="Zuf%C3%A4lligkeit" class="mw-redirect" title="Zufälligkeit">Zufälligkeit</a> seiner Existenz. Nur die Verkettung von Umständen, die Unumkehrbarkeit der Ereignisse – er erinnert sich dabei an seine Abenteuer – macht ihn glücklich. Romane, Erzählungen und Kunstwerke, diese gemachten Dinge, bereiten ihm durch die Strenge ihrer Form Glück. Gleichzeitig lässt Sartre Roquentin gerade beim Anblick eines Gemäldes seine eigene Existenz hinterfragen:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Und es stimmte, ich war mir dessen immer bewusst gewesen: Ich hatte kein Recht zu existieren. Ich war zufällig erschienen, ich existierte wie ein Stein, eine Pflanze, eine Mikrobe. Mein Leben wuchs auf Geratewohl und in alle Richtungen. Es gab mir manchmal unbestimmte Signale; dann wieder fühlte ich nichts als ein Summen ohne Bedeutung.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>“
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Das wirkliche Leben hingegen, das Verstreichen der Tage, das Kommen und Gehen von Menschen, besitzt für Roquentin keine Notwendigkeit. Erst wenn man das Leben erzählt, ändert sich dies. Die Sinnlosigkeit der Existenz wird Roquentin beim Anblick einer Wurzel im Park bewusst. Zwar weiß man, was die Funktion einer Wurzel allgemein ist, aber für die Existenz dieser einzelnen Wurzel gibt es keine Erklärung. Im Gegensatz dazu existiert das vollständig Erklärbare, zum Beispiel ein Kreis, nicht. Die Existenz lässt sich also nicht aus einem Wesen ableiten, sie geht dem Wesen voraus. Am Ende des Buches fasst Roquentin den Entschluss, sein Dasein als Historiker aufzugeben und stattdessen einen Roman zu schreiben, um sich im Dienst der strengen Form eine Rechtfertigung als Künstler zu geben.
</p><p>Das Leben hat für den Romanhelden sämtliche Gewöhnlichkeit verloren. Er erfährt ständig neue Momente seiner sinnlosen Existenz. Am Ende seines Romans deutet Sartre eine Hoffnung an, die man als die <a href="Kontingenz_(Philosophie)" title="Kontingenz (Philosophie)">Kontingenz</a> bezeichnet, also die innere Endlichkeit einer Existenz, die sich darin äußert, dass ebendiese Existenz auch anders oder überhaupt nicht sein könnte. Auch wenn die Existenz einsam und demnach auch frei ist, muss sich das Individuum in dieser Welt selbst erfinden und kann darüber frei entscheiden, was es sein will.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Depersonalisationssymptome">Depersonalisationssymptome</h2></div>
<p>Wie in anderen literarischen Werken des Existenzialismus ähnelt der chronische Ekel, welcher den Protagonisten des Romans befällt, den Symptomen der <a href="Depersonalisation" title="Depersonalisation">Depersonalisation</a><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> bzw. einer <a href="Derealisation" title="Derealisation">Derealisationsstörung</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Der_Fremde" title="Der Fremde">Camus, Albert: Der Fremde (1942)</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Brigitta Coenen-Mennemeier: <i>Die Existenz und das Absurde: Sartre, „La Nausée“ 1938 und Camus, L’Étranger 1942.</i> In: Wolfgang Asholt (Hrsg.): <i>Interpretationen. Französische Literatur 20. Jahrhundert: Roman.</i> Stauffenburg, Tübingen 2007, ISBN 978-3-86057-909-1.</li>
<li><a href="Jean_Firges" title="Jean Firges">Jean Firges</a>: <i>Jean Paul Sartre, La Nausée: Die Entdeckung der Existenz in Sartres Roman „Der Ekel“.</i> Sonnenberg, Annweiler 2012, ISBN 3-933264-69-3.</li>
<li>Ulrich Diehl: <i>Lebensekel, Sinnkrise und existenzielle Freiheit. Philosophische Bemerkungen zu Sartres „Der Ekel“.</i> In: Hermes A. Kick (Hrsg.): <i>Ekel. Darstellung und Deutung in den Wissenschaften und Künsten.</i> Pressler, Hürtgenwald 2003, ISBN 3-87646-101-4 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ulrich-walter-diehl.de/downloads/">Bereich Downloads</a>, oben alle Downloads in zeitlicher Reihe (hier 2010), dann nach unten scrollen zum Link.)</li>
<li>Inca Rumold: <i>Die Verwandlung des Ekels. Zur Funktion der Kunst in Rainer Maria Rilkes „Malte Laurids Brigge“ und Sartres „La Nausée“.</i> Reihe: Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, 291. Bouvier, Bonn 1979, ISBN 3-416-01498-7. (Forschungsstand, Problematik der existenzialistischen Tradition, Probleme des <a href="Tagebuchroman" class="mw-redirect" title="Tagebuchroman">Tagebuchromans</a>, Problematik des Künstlers in beiden Texten, Struktur in beiden Texten, Bibliographie).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spiegel.de/kultur/literatur/literatur-die-besten-buecher-der-welt-zwischen-1925-und-2025-der-spiegel-literaturkanon-a-e138f11e-1302-48d2-8476-56840777d4dd"><i>Die besten Bücher der Welt.</i></a> In: <i>Der Spiegel.</i> 23.&nbsp;März 2025,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 30.&nbsp;November 2025</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ADer+Ekel&amp;rft.title=Die+besten+B%C3%BCcher+der+Welt&amp;rft.description=Die+besten+B%C3%BCcher+der+Welt&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fkultur%2Fliteratur%2Fliteratur-die-besten-buecher-der-welt-zwischen-1925-und-2025-der-spiegel-literaturkanon-a-e138f11e-1302-48d2-8476-56840777d4dd&amp;rft.date=2025-03-23">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Louis Ferdinand Celine: <cite style="font-style:italic">L’Église</cite>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Der+Ekel&amp;rft.au=Louis+Ferdinand+Celine&amp;rft.btitle=L%E2%80%99%C3%89glise&amp;rft.genre=book" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Jean-Paul Sartre, Heinrich Wallfisch: <cite style="font-style:italic">Der Ekel: Roman</cite> (=&nbsp;<cite style="font-style:italic">Rororo Taschenbücher</cite>). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1963, ISBN 978-3-499-10581-4, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>92</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Der+Ekel&amp;rft.au=Jean-Paul+Sartre%2C+Heinrich+Wallfisch&amp;rft.btitle=Der+Ekel%3A+Roman&amp;rft.date=1963&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783499105814&amp;rft.pages=92&amp;rft.place=Reinbek+bei+Hamburg&amp;rft.pub=Rowohlt&amp;rft.series=Rororo+Taschenb%C3%BCcher" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Mascha Elbers: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spektrum.de/news/depersonalisation-gefangen-in-der-unwirklichkeit/1578578"><i>Gefangen in der Unwirklichkeit</i></a> auf spektrum.de, 24. Juli 2018</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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